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Aug 18

Da ich mich im letzten Artikel zu Steinmeier geäußert habe, werfe ich auch gleich einen Blick auf die Rhetorik unserer Bundeskanzlerin. Gestern hielt Angela Merkel eine Eröffnungsrede bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Wirtschafts- und Finanzpolitik. Schauen wir uns die politischen Aussagen mal an:

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“Wir müssen das tun, was dauerhaft gut ist.” ist Merkels Aussage zu nachhaltiger Politik.

“Wir haben jetzt spüren müssen, dass entgrenzte Prozesse zerstörende Wirkung haben können.” sagt sie zur Wirtschaftskrise.

“Ich darf ihnen sagen: Es ist mir ein festes Anliegen, dass wir als Politiker aus dem Erpressungspotenzial einzelner herauskommen.” zum Thema Banken.

In der Sprach-Hypnose nennen wir das Nominalisierungen: Wunderschöne Aussagen, Allgemeinplätze, bei denen jeder, egal welcher politischen Richtung, zustimmen muss. Wunderbar und elegant, denn die Bundeskanzlerin muss sich nicht festlegen.

Oft zitiert wird Franz Müntefering mit seiner Aussage vor drei Jahren: “Ich finde es ungerecht, dass uns die Bevölkerung uns Politiker an unseren Wahlversprechen misst.”. Die Kanzlerin macht es da mit ihrer Rhetorik geschickter. Sie legt sich gar nicht erst auf etwas fest, an dem sie nach der Wahl gemessen werden könnte. Wo nichts zu messen ist, kann niemand etwas übel nehmen.

Politik mit Ecken und Kanten kann und will anecken. Eine Kanzlerin, die sich in Allgemeinaussagen bewegt, hat nichts zu befürchten. Der Kuschelkurs ist praktisch, spendet Trost in Krisenzeiten und tut niemandem weh. Frei nach dem Motto: Geben Sie mir Ihre Stimme, aber erwarten Sie nichts, dann können Sie nicht enttäuscht werden!

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Jun 20
Germany’s Next Top-Merkel
icon1 Gero Teufert | icon2 Rhetorik | icon4 06 20th, 2009| icon3No Comments »

Unter dem Titel “Ich kann Kanzler” suchte das ZDF gestern Abend “Politiktalente” und junge ideen für die Politik. Der Ansatz war junge Menschen mit neuen Impulsen zu suchen, das Ergebnis war niederschmetternd. Allerdings wäre das ganze als Comedy-Sendung unter dem Titel “Politik-Switch reloaded” sicher gut angekommen.

Die Kandidaten, die das ZDF aus über 2500 Bewerber gecastet hat, wurden vermutlich nach stromlinien-förmiger Rhetorik ausgewählt. Da blieb keine Phrase ungehört: “Wenn alle anpacken, können wir es schaffen,” “Leistung muss sich wieder lohnen,” “wir haben keine Rohstoffe, nur die Menschen,” bis hin zu “herrliche Zeiten sind in Sicht!”

Der sicherlich honorige Tübinger Rhetorik-Professor Knape kommentierte diese Reden versonnen: “Nun ja, er spricht den Mittelstand an, das klingt nach Spartenpolitik.” Dass keiner mal auf den Tisch haut und sagt: “Politikverdrossenheit bekommen wir nicht mit den alten Sprüchen bewältigt.” ist sehr schade – oder einfach ungewollt gut gelungene Satire.

Die Konzepte der Kandidaten boten weniger Widerstand als ein Regentropfen auf einer frisch gewachstem Autolack findet – falls überhaupt Ideen vorhanden waren. Wenn die Aufgabe gewesen wäre, nur Große-Koalitions-konforme Aussagen zu treffen, hätte sie nicht besser erfüllt werden können. Juror Günther Jauch, der sich selbst als kritisch bezeichnet, blickt dabei nonchalant in die Gegend und richtet nur wenig unbequeme Fragen an die Kandidaten. Wo außer einer Phrasen-Fassade nichts ist, kann auch nicht viel hinterfragt werden.

Herzerfrischend die Antwort der unbeschwerten Plaudertasche Nuray Karaca (“Herrliche Zeiten sind in Sicht!”). Auf Jauchs Aussage: “Ich glaube dass Sie im Moment noch sehr naiv sind.”, antwortete sie: “Ja, das sagen viele.” So viel Ehrlichkeit wird belohnt und bekommt dann von der Jury “ein knappes Ja”.

Am Ende bleibt die gleiche Leere, die junge Menschen bei den vorhandenen Politikern ohnehin schon finden. Sieger wurde übrigens der Dünnbrettbohrer mit dem noch origenellsten Spruch “Machen. Nicht immer meckern!”.

Wären die Protagonisten angetreten Politiker-Parodien darzubieten, müssten sich Max Giermann & Co warm anziehen. So darf für Deutschlands Politik weiter schwarz gesehen werden.

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Mrz 10
Körpersprache II
icon1 Gero Teufert | icon2 Rhetorik | icon4 03 10th, 2009| icon31 Comment »

:-) Wie herrlich! Wie perfekt gestylte Körpersprache funktioniert, zeigt der Komödiant Johann Lippowitz mit dem Titel “Torn”. Ganz wunderbar auch die eingebauten sprachlichen Missverständnisse. Wie “I” und “eye” und “real” (die Realität) wird zu “reel” (Angelspule).

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Gero Teufert, Rhetorik-Trainer

 

Feb 26

Da mache ich mich eben noch über SAP-Kollegen lustig und bekomme kurz danach einen Anruf meines Lektors. Nach erster Durchsicht des Erst-Entwurfs meines Schlagfertigkeits-Buchs weist er mich darauf hin, dass das Wort “eloquent” nicht allgemein verständlich sei. So kommt alles zurück ;-)

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Feb 26

Schon lange predige ich Beratern und IT-Spezialisten, Fachbegriffe in verständliche deutsche Begriffe zu übertragen. Dazu ist dieser nette Zusammenschnitt von SAP-Vorträgen wegweisend. :-)

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